Good Times, Ausgabe 100

Rezension in der Jubiläumsausgabe von GOOD TIMES (Nr. 100, Mai 2009)

 

Ruprecht Rüdebusch ist im Sommer 1980, also zu Beginn dieses Romanes, 15 Jahre alt. Und hat natürlich genau mit den gleichen Problemen zu kämpfen wie so viele in diesem Lebensabschnitt. Da ist das sogenannte Erwachsenwerden, das ja eigentlich von ganz alleine, so einfach im Laufe der Jahre geschehen sollte. Denkste! Natürlich wissen wir alle, dass dies bei weitem nicht so glatt und mit den übelsten Verwicklungen vor sich geht. So auch bei Ruprecht. Schulstress, erste linkische Annäherungen an gleichaltrige weibliche Lebewesen, Feten, die total anders ablaufen als die vorher so lustigen Kindergeburtstage, erste Erfahrungen mit Alkohol (und dessen verheerende Nachwirkungen) sowie natürlich das Kennenlernen neuer musikalischer Helden. Bands wie Uriah Heep, Slade oder Status Quo eröffnen dem jungen Helden neue Horizonte, fernab von den beim Rest der Clique so beliebten Schlagern oder von seichter Popmusik. Um diese Themen herum erschafft der Autor äußerst detailreiche, stimmige Bilder, bei denen sich insbesondere die Leser, deren Geburt in die Mitte der sechziger Jahre fiel, ein ums andere Mal wehmütig an diese Zeit mit allen Höhen und Tiefen zurückerinnern werden.

 

Autor: Ulrich Schwartz

 

 

 

Rezension in der Oldenburger Sonntags-Zeitung (Landkreis-Ausgabe vom 16. August 2009)

 

"Kommst Du noch mit zu Buchholz?" - Diese Frage hat wohl jeder schon einmal gehört, der in den 80er Jahren im Landkreis Oldenburg aufgewachsen ist. Damals war der Gasthof im Wüstinger Ortsteil Grummersort Anlaufpunkt einer ganzen Generation, genauso wie Meiners in Hatterwüsting, Imholze in Sandersfeld oder der Bergedorfer Krug bei Ganderkesee. Jedes Wochenende gab es dort mit der Disco International aktuelle Musik aus den Charts, Unterhaltung mit Gleichgesinnten und nicht selten die ersten schüchternen Annäherungsversuche an das jeweils andere Geschlecht. Ruprecht Rüdebusch, Hauptperson des im Oldenburger Land spielenden Romans "Sieben Sommer lang", ist 15 Jahre alt, als ihn im Sommer 1980 die eingangs zitierte Frage zum ersten Mal erreicht. Was danach folgt, bringt bei dem sensiblen, aber mitunter etwas unbeholfenen Bauernsohn einiges ins Rollen: Überwältigt von seinen Eindrücken, beschließt Ruprecht noch am selben Abend, Tagebuch zu führen und fortan penibel aufzuschreiben, was ihm auf dem Weg zum Erwachsenwerden im Dreieck von Schule, Kuhstall und Samstagabend-Disco so alles widerfährt. Herausgekommen sind teils komische, teils nachdenklich stimmende Episoden, passend garniert mit dem Soundtrack der damaligen Zeit: von Funkytown über Kids in America und all die Gassenhauer der Neuen Deutschen Welle bis hin zu Walking on sunshine von Katrina & the Waves.

 

 

 

Rezension in der Oldenburger Sonntags-Zeitung

(Stadt-Ausgabe vom 16. August 2009)

 

Oldenburg, Lange Straße 44, schräg gegenüber der Lambertikirche und nur einen Steinwurf vom Marktplatz entfernt. Hinter der Kasse eines Schallplattenladens nimmt im Juli 1982 Ruprecht Rüdebusch Platz, 17jährige Titelfigur des Oldenburg-Romans "Sieben Sommer lang". Der Musik-Fan und Schüler des Graf-Anton-Günther-Gymnasiums hat eher durch Zufall seinen Traum-Ferienjob als Aushilfsplattenverkäufer ergattert und sieht sich dadurch auf dem Höhepunkt seines bisherigen Lebens angekommen. Nach dem ersten Disco-Besuch beschließt Ruprecht, der aus einem der umliegenden Bauerndörfer stammt, Tagebuch zu führen und penibel aufzuschreiben, was ihm auf dem Weg zum Erwachsenwerden im Dreieck von Schule, Kuhstall und Samstagabend-Treff so alles widerfährt. Herausgekommen sind teils komische, teils nachdenklich stimmende Episoden, in denen auch andere lokale Schauplätze eine Rolle spielen: zum Beispiel das legendäre Donnerschwee-Stadion, längst in Vergessenheit geratene Vergnügungstempel wie "Scala" oder "Sunups" und natürlich der alljährliche Kramermarkt. Fazit der bundesweit erscheinenden Musik-Zeitschrift "Good Times" (Ausgabe Juni/Juli 2009): "Insbesondere Leser, deren Geburt in die Mitte der 60er Jahre fiel, werden sich angesichts der äußerst detailreichen, stimmigen Bilder ein ums andere Mal wehmütig an diese Zeit mit allen Höhen und Tiefen zurückerinnern."

 

 

 

 

Rezension in der Oldenburger Nordwest-Zeitung

(Ausgabe vom 28. November 2009)

 

Da steht er in einer abgedunkelten Scheune in Wüsting, in der Hand eine Musikkassette, s e i n e Musikkassette, ein Mix-Tape mit den besten Songs der Band Uriah Heep. Ruprecht blickt sich um, die Fete läuft noch nicht so richtig rund, schnell schiebt er die Kassette in die Stereoanlage. David Byron singt „Look At Yourself“, Ruprecht schließt die Augen, wenigstens einige Minuten lang. Dann drängelt sich eine Stimme vor die Musik, „was ist denn das für’n Mist?“, und schon stoppt das Band.

Eigentlich ist Ruprecht Rüdebusch ein normaler Teenager. Er wächst Anfang der 80er Jahre auf einem Bauernhof im Oldenburger Land auf (und sehnt sich nach der Stadt), er feiert gern (am liebsten mit einem Glas Charly in der Hand), er mag Mädchen (besonders Sabine: schlank, blond und langhaarig). Allerdings hält Ruprecht Uriah Heep für die beste Rockband der Welt. Das macht ihn häufig einsam: Seine Mitschüler hören lieber Disco, New Wave oder die beginnende Neue Deutsche Welle.

Ruprecht Rüdebusch hat es nie gegeben. Ausgedacht hat ihn sich der Huder Journalist Egon Wachtendorf, der in seinem Roman-Debüt „Sieben Sommer lang“ unter dem Pseudonym Thomas Wilkens die Geschichte einer Jugend erzählt – eine Jugend, die zwangsläufig Ähnlichkeit mit Wachtendorfs eigener Jugend aufweist: Auch Wachtendorf, Jahrgang 1964, wuchs Anfang der 80er Jahre im Oldenburger Land auf, auch er hielt und hält Uriah Heep für die beste Band der Welt.

Aber „Sieben Sommer lang“ ist nicht bloß eine 400 Seiten lange Liebeserklärung an die Hardrockmusik der 70er Jahre. Zärtlich erzählt Autor Wilkens von den Schwierigkeiten des Erwachsenwerdens, von ersten sexuellen Gehversuchen, von der Suche nach der großen Liebe. Kurz: Ruprecht sucht wie alle Teenager nach seinem Platz im Leben, sieben Sommer lang.

Wachtendorf illustriert diese Suche mit viel Lokalkolorit. Ruprecht feiert bei Buchholz in Wüsting und bei Meiners in Hatterwüsting, er besucht Oldenburger Discos, er fährt mit dem Bus zum Graf-Anton-Günther-Gymnasium nach Oldenburg, er jobbt im legendären Plattenladen „Govi“ in der Oldenburger Innenstadt. Dort hat sich seinerzeit auch Egon Wachtendorf bedient und den Soundtrack für sein Leben und seinen Roman zusammengestellt.

Hauptberuflich arbeitet Wachtendorf heute als Finanzjournalist, er ist ein Spezialist für Zahlen, was man seinem Roman an manchen Stellen anmerkt in seiner Detailverliebtheit und historischen Exaktheit. Dabei vernachlässigt der Autor aber nie den Sound seines Jugend- und Musikromans; sein Buch klingt hoffnungslos romantisch wie die Rockmusik der 70er, dann wieder nüchtern und synthetisch wie die Popmusik der 80er.

Wachtendorf hat eine Homepage geschaltet, auf der sich neben Leseproben alle 95 Pop- und Rock-Songs finden, die in seinem Buch eine Rolle spielen. Unser Tipp: Computer einschalten, Kopfhörer aufsetzen, Buch aufklappen – und abreisen in die Vergangenheit.

 

Autor: Karsten Krogmann

 

 

 

 

Online-Rezension auf www.dj-night-jever.de

(erschienen am 4. Dezember 2009)

 

Romane über das Erwachsenwerden existieren möglicherweise schon so lange wie es literarische Werke gibt. Zum Teil sind sie Schullektüre geworden und damit bei vielen wohl nicht sonderlich beliebt. In den letzten Jahren hat sich jedoch eine Spielart dieser Romane herausgebildet, die durchaus Aufmerksamkeit verdient, denn in diesen Werken finden sich zum Teil wunderbare Reminiszenzen an die 60er, 70er und 80er Jahre. Außerdem spielt in ihnen die Musik ihrer Zeit eine oft wichtige und manchmal sogar zentrale Rolle - was jedoch nichts mit der sogenannten "Popliteratur" zu tun hat!

 

Die Romane von Rolf Silber "Helter Skelter", Wolfgang Welt "Peggy Sue", Kurt Appaz "1975: Im Jahr der Weiber", Roland Lieverscheidt-Pelzer "Aus dem Leben eines Hippies" oder Reinhard Marheinecke "What is life? Roman einer Jugend in den 70er Jahren" sind (mit Ausnahme von Wolfgang Welt) wohl eher als literarische Leichtgewichte zu bezeichnen, aber authentisch sind sie alle und machen viel Spaß.

 

Aktuell ist ein neuer Roman von Thomas Wilkens hinzugekommen, der in "Sieben Sommer lang" die Geschichte einer Jugend im Oldenburger Land in den 80ern beschreibt. Das Buch ist neben den "üblichen" Irrungen und Wirrungen der Adoleszenz geradezu durchdrungen von Musik. Als Fan der Hardrock-Bands der 70er Jahre und insbesondere von Uriah Heep wächst Ruprecht Rüdebusch in einer Zeit auf, als Disco, New Wave und Neue Deutsche Welle auf den Feten und in den Discos liefen. Das macht sein Leben nicht leichter, beschert uns als Leser aber etliche vergnügliche Stunden.

 

Das Buch wird begleitet von einer Internet-Seite, die neben Leseproben riesige Link-Sammlungen vorhält, auf denen sich zum Beispiel alle 95 Musik-Titel finden, die in "Sieben Sommer lang" eine Rolle spielen. Auch andere "Perlen" und "Hits von damals" sind in großer Fülle verlinkt. Die Links führen allesamt auf Musik- und Videoportale, auf denen sich alle Titel abspielen lassen. Hier gehen das Internet und die literarische Welt eine durchaus geglückte Verbindung ein, von der alle Leser und Hörer profitieren.

 

Autor: Wilfried Wördemann